© Wintersteingeister by T. Weil

Geschichte: Begründet liegt dieser Brauch in der „närrischen Schlittenfahrt“ die durch ein im Rittersaal des als Rathaus dienenden Ober-Mörler Renaissanceschlosses befindlichen Gemäldes aus dem Jahre 1753 verbürgt ist. In diesem sind Maskierte und Kostümierte Narren dargestellt, die in geschmückten Pferdeschlitten durch die verschneite Landschaft fahren. Das „Klein Mainz im Usatal“ hat diesen Brauch über all diese Jahre gepflegt und rund 20% der Ober-Mörler Bürger sind in einem der Karnevalsvereine organisiert. Seit der Gründung der KG ist auch der Mohr – entliehen aus dem alten Gerichtssiegel – eine Symbolfigur der 1. KG Mörlau. Er wurde 1959 zum ersten Mal im Fastnachtszug dargestellt. Im Jahr 2010 tauchten erstmals in der Ober-Mörler Fassenacht zwei Mohren auf: Der Mohr der KG sowie der Mohr von Mörlau. Jeder der beiden Karnevalsvereine hat seine eigenen Saalveranstaltungen: Gala- bzw. Kostümsitzungen, Kindersitzungen, Weibersitzung (1. KG Mörlau), Herrensitzung (1. KG Mörlau), Ball der tausend Masken (MCC). Eröffnet wird der Straßenkarneval am Fastnachtssamstag mit dem Stürmen des Rathauses (MCC). Beendet wird der Karneval durch die Trauerrede des Präsidenten der 1. KG Mörlau an der, von dem Künstler Klaus F. Roth entworfenen, Fastnachtsplastik „Narrenschiff“ auf dem „Fastnachtsplatz“ sowie der Versenkung der Fastnacht durch den MCC an der Usabrücke. Am Aschermittwoch erfolgt durch das Prinzenpaar die Rückgabe des am Fastnachtssonntag an die Narren übergebenen Gemeindeschlüssels. Ablauf: Am Fastnachtssonntag findet der von der 1. KG „Mörlau“ als Veranstalter organisierte, seit Jahren auf 111 Zugnummern beschränkte Fastnachtszug durch das geschmückte Dorf statt. Die Tradition des Straßenkarnevals ist bedeutend älter als die Karnevalsvereine und wurde bis vor dem II. Weltkrieg ohne Organisation gefeiert. Neben den beiden Karnevalsvereinen nehmen viele der Ober-Mörler Ortsvereine sowie eine große Anzahl an befreundeten Karnevalsvereinen am Zug teil. Dieser ist ein Publikumsmagnet und ist hessenweit an diesem Tage der größte Zug der Wetterau und einer der größten Fastnachtszüge Hessens. So strömen in jedem Jahr zwischen 20.000 und 35.000 Besucher in den Ort um die Tanzgarden, die Motiv- und Komiteewagen sowie die Spielmanns- und Fanfarenzüge zu erleben. Im Jahr 2007 wurde der Rekord mit rund 50.000 Besuchern erreicht. Besondere Gruppen des Straßenkarnevals sind: Die "Dippeklopper" eine weibliche Trommelgruppe die ab dem Dreckigen Donnerstag bis zum Veilchendienstag das närrische Treiben bereichert. Entstanden 2006/07 Die "Wintersteingeister" im Stil der Allemannischen Fassenacht geschnitzte Holzmasken des Schnitzers Albert Recht. Entstanden 2004 Die Hexen mit Ratschen, Besen und Scheren (bis zu 2,5m langen "Erschreckwerkzeugen")Entstanden 1986 Die "Lappefresser" (Umgangsname der Ober-Mörler; in -mit verschiedenfarbigen Lappen- benähten Anzügen)Entstanden 1973 (siehe unten) Die Dominos in verschiedenen Farben (Gesichtsmasken und lange, einfarbigen Kaputzenmäntel). Entstehung unbekannt Der "Schlachtruf" der Ober-Mörler Karnevalisten ist das "Mörlau" das eine Abwandlung des Mainzer "Helau" darstellt und so die Symbiose zu dem Umgangssprachlichen Namen des Ortes "Mörle" darstellt. Jedoch gibt es zwischen den beiden Karnevals-Vereinen bezüglich des verdreifachten "Schlachtrufes" einen Unterschied: während die 1. KG "Mörlau" mit "Mörlau, Mörlau, Mörlau"grüßt, lässt der "MCC" ein Mirle-Mörlau, Mirle-Mörlau, Mirle-Mörlau erschallen. Die Mörlauer Fastnachtsfarben: Die Ober-Mörler Fastnacht besitzt eine eigene Flagge. Sie basiert im Grunde auf der Fahne der Mainzer Fastnacht. Dort ist diese wie vieles andere ursprünglich als politische Karikatur entstanden. In Mainz, das des Öfteren französisch besetzt war, wurden die Fastnachtsfarben aus der französischen Tricolore abgeleitet. Um das Verspotten der Besatzungsmacht zu verschleiern, wurden die französischen Farben wie folgt gedreht: rot-weiß-blau (Tricolore: blau-weiß-rot) und das goldgelb der katholischen Kirchenfahne hinzugefügt. Katholiken stellten zur Entstehungszeit die Mehrheit der Bevölkerung. Auf dem Weg durch die katholisch geprägten Gemeinden zum ebenfalls überwiegend katholischen Ober-Mörlen dieser Zeit kam das blau des Öfteren abhanden und wurde durch die Farbe grün ersetzt. Offenbar um das Winterende zu symbolisieren. In Ober-Mörlen fügte man der Mainzer Fahne jedoch die Farbe grün hinzu. Somit besteht die Fahne beider Ober-Mörler Kooperationen traditionell aus den nun fünf Farben. Diese symbolisieren natürlich die 5 Jahreszeiten. Wenn sich am Fastnachtssonntag der längste närrische Lindwurm der Wetterau in Bewegung setzt, werden in den Reihen der KG Mörlau unheimliche Gestalten ihr Unwesen treiben. Wintersteingeister nennen sich die gehörnten Teufelsgesichter im dicken Schafs- und Ziegenpelz. Direkt aus dem Wintersteinwald scheinen sie zu kommen, um in den Gassen von Mörlau mit stechendem Blick, Besen, Felltatzen und Schellenringen die bösen Geister zu vertreiben. Krampus nennt man diese Gesellen in Österreich, wo sie seit Hunderten von Jahren als Knecht Ruprecht den Nikolaus begleiten. Nach wie vor wird der alte Brauch in der Alpenregion gepflegt. Tausende von Zuschauern verfolgen dort zwischen dem 6. Dezember und Fasching die mitunter spektakulären Krampusläufe. Die KG Mörlau, allen voran Ideengeber Klaus F. Roth und die Vorstandsmitglieder Ulrich Kasprzyk und Burkhard Wahl, schätzen sich glücklich, die kostbaren Kunstwerke nun mit Leben füllen zu können. Feuer und Flamme sind auch die KG-Maskenträger, die jede Menge Fantasie und Arbeitsstunden in die Gestaltung der Kostüme einbrachten. Ganz im Sinne von Albert Recht werden sie der Mörlauer Fastnacht mit dieser weit und breit einmaligen Attraktion neues Leben einhauchen. Weblinks:     1. Ober-Mörler Karnevals Gesellschaft „Mörlau“ e.V.     Mörlauer Carneval Club e.V.